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Posttraumatische Belastungsstörungen und akute Belastungssyndrome
Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht meist dann, wenn einem Menschen etwas passiert, was außerhalb der normalen menschlichen Erfahrung liegt, wie z.B. sexuelle Gewalt, Gewalterfahrung durch Krieg oder Verbrechen, Raubüberfälle oder Schäden durch Naturkatastrophen. Die Bilder dieser Ereignisse lassen den Betroffenen nicht mehr los, beeinflussen Stimmung und Schlaf und belasten die Person sehr. Der Betroffene entwickelt eine höhere Störbarkeit für alles, was ihn auch nur im entferntesten an das Unglück erinnert. Die Sache einfach zu "vergessen", wie es viele Angehörige oder Freunde raten, gelingt nicht und der Betroffene fühlt sich zusätzlich noch schuldig.
Akute Belastungssyndrome bezeichnen psychische Störungen von erheblichem Ausmaß, die als Reaktion auf eine außergewöhnliche Belastung bei vorher stabiler Verfassung auftreten. In einem kurzen zeitlichen Abstand zum auslösenden Ereignis treten meist emotionale Ausnahmezustände auf wie z.B. Betäubungsgefühle, eingeschränkte Aufmerksamkeit und Angstgefühlen. Sofern die Belastung aufhört, klingen die Symptome meist nach kurzer Zeit ab.
Therapieangebote:
- Aufklärung und Information über die Entstehung und Aufrechterhaltung von Traumatisierung und Information über die Behandlungsmöglichkeiten
- Durchführung von Stabilisierungsmaßnahmen, um durch das Erlernen von imaginativen und distanzierenden Techniken (z.B. innerer sicherer Ort) eine Beruhigung des insgesamt hohen Erregungsniveaus herbeizuführen
- Aufbau und Förderung von Ressourcen und Stärkung des Selbstwirksamkeitserlebens durch Konflikt- und Problemlösetrainings, Genusstherapie etc.
- Anwendung von kognitiver Therapie, um Zukunftsorientierung zu erleichtern
- Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Behandlung
Schlafstörungen
Das Schlafen hat eine wichtige Erholungs- und Regenerationsfunktion. Mangelnder Schlaf führt daher zu Störungen der Befindlichkeit und des Leistungsvermögens. Schlafstörungen sind ein häufiges Begleitsymptom von psychischen Erkrankungen, können aber auch unabhängig davon z.B. in Stresssituationen auftreten. Unterschieden wird zwischen Ein- und Durchschlafstörungen sowie morgendlichem Früherwachen und nicht ausreichend erholsamem Schlaf.
Therapieangebote:
- Aufklärung und Information über die Entstehung und Aufrechterhaltung von Schlafstörungen und Information über die Behandlungsmöglichkeiten
- Kognitive Therapie und Maßnahmen zur Schlafhygiene, um den Teufelskreis aus problematischen Schlafgewohnheiten und ungünstigen Denkweisen bzw. Grübeleien zu durchbrechen
- Erlernen von Entspannungsverfahren (z.B. Progressive Muskelentspannung, Ruhebilder) und Genusstrainings, um innere Anspannung zu reduzieren und seelisch bzw. körperlich zur Ruhe zu kommen
- Rückfallprophylaxe, um zukünftig anders mit Stress umgehen zu lernen und eine achtsamere Haltung für eigene Belastungsgrenzen zu entwickeln
- Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Behandlung
Zwangsstörungen
Als Zwangsstörung bezeichnet man wiederkehrende Gedanken, Ideen oder Bilder sowie Handlungsimpulse oder Handlungen, die sich einem Menschen hartnäckig aufdrängen. Sie werden als befremdlich erlebt und verursachen Angst und Beschwerden. Bei schwerer Ausprägung ist der Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. Häufige Formen sind Waschzwänge, Kontrollzwänge oder Zählzwänge.
Therapieangebote:
- Aufklärung und Information über die Entstehung und Aufrechterhaltung von Zwängen und Information über die Behandlungsmöglichkeiten
- Durchführung von Konfrontationsübungen, um den Teufelskreis aus unangenehmen Gefühlen, Befürchtungen und Handlungen (z.B. Waschen, Putzen, Kontrollieren) zu durchbrechen
- Anwendung von kognitiven Techniken, um mit dem Zwang in Verbindung stehende Gedanken und Grundüberzeugungen zu hinterfragen und hilfreichere Denkstrukturen zu entwickeln
- Rückfallprophylaxe und Vorbereitung auf ein Leben ohne die Zwänge (z.B. Aufbau von Problem- und Konfliktlösefertigkeiten, Umgang mit Stress, Aktivitätsaufbau)
- Durchführung von Paar- und Familiengesprächen, um zu informieren und den Angehörigen praktische Hinweise für den alltäglichen Umgang mit vom Zwang betroffenen Familienangehörigen zu geben
- Medikamentöse Behandlung wird v.a. bei Betroffenen durchgeführt, die besonders stark und schon sehr lange unter den Zwängen leiden
Psychosomatische Störungen und chronischer Schmerz
Unter psychosomatischen und somatoformen psychischen Störungen versteht man Erkrankungen, bei denen sich psychische Faktoren auf die Entstehung und den Zustand einer körperlichen Erkrankung auswirken. Hierzu zählen Erkrankungen des Magen-Darmtrakts (z.B. Morbus Crohn), Erkrankungen des Immunsystems (z.B. Allergien), Erkrankungen der Haut (z.B. Neurodermitis), psychogener Kopfschmerz und vieles mehr. Weiterhin fallen in diesen Bereich auch die somatoformen Störungen, die keiner körperlichen Erkrankung zugeordnet werden können. Trotzdem empfindet der Betroffene Beschwerden, unter denen er sehr leidet.
Eine spezielle Variante dieser somatoformen Störungen ist die somatoforme Schmerzstörung. Dabei weisen die Betroffenen anhaltende oder immer wiederkehrende Schmerzzustände auf, die sich nicht aus dem körperlichen Zustandsbild erklären lassen.
Therapieangebote:
- Aufklärung und Information über die Entstehung und Aufrechterhaltung von Schmerzstörungen und Information über die Behandlungsmöglichkeiten
- Einsatz von Selbstbeobachtung, um schmerzverstärkende bzw. -auslösende Situationen zu identifizieren und Aufmerksamkeitslenkung weg vom Schmerz zu erproben.
- Erlernen von Entspannungsverfahren (z.B. Progressive Muskelentspannung, Ruhebilder), Aufbau von Ressourcen und Anwendung von Genusstrainings
- Aktivitätsaufbau und Verbesserung der körperlichen Fitness (z.B. durch Sport), um u.a. die innere Anspannung zu reduzieren
- Rückfallprophylaxe mit Schulung von Problemlösefertigkeiten, Aufbau von Achtsamkeit für eigene Belastungsgrenzen und Stressmanagement
- Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Behandlung
Persönlichkeitsstörungen
Darunter versteht man eine dauerhafte Abweichung der inneren Erfahrungs- und Verhaltensmuster der Betroffenen von kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben („Norm“). Dies kann dazu führen, dass in verschiedenen Situationen dasselbe unflexible, unangepasste und unzweckmäßige Verhalten gezeigt wird und zu Problemen bei der Person selbst oder seiner Umwelt führt. Bei der Entwicklung von Persönlichkeitsstörungen wird ein bedeutsamer Anlagefaktor angenommen.
Therapieangebote:
- Aufbau eines förderlichen Beziehungsverhaltens durch Schulung von sozialen Kompetenzen und adäquaten Konflikt- und Problemlösestrategien
- Fokussierung auf Ressourcen und Stärken
- Förderung von Achtsamkeit für innere Befindlichkeiten, um sinnvolles Handeln trotz vorhandener belastender Gefühle zu erlernen
- Kognitive Arbeit, um verzerrte Wahrnehmungen, Schwarz-Weiß-Denken u.ä. aufzudecken und durch hilfreichere, realistischere Kognitionen zu ersetzen
Abhängigkeitserkrankungen
Unter Abhängigkeitserkrankungen versteht man die körperliche und psychische Abhängigkeit von verschiedenen Substanzen und von unkontrollierbaren Impulsen. Man unterscheidet zwischen Gebrauch, Missbrauch und Abhängigkeit von legalen (Nikotin, Alkohol) und illegalen (Cannabis, Medikamente, Kokain usw.) Substanzen, wobei die Übergänge zwischen den Stadien oft fließend sind. Nach einer stationären Entgiftung oder bei leichteren Formen der Abhängigkeit stellt eine ambulante oder tagesklinische Behandlung oftmals einen wichtigen Therapieschritt dar. Hier können auch die vielfältigen Ursachen und Risikofakttoren sowie die begleitenden psychischen Beschwerden bearbeitet werden.
Therapieangebote:
- Förderung von Krankheitseinsicht und Motivation, Suchtverhalten abzubauen
- Identifizierung von möglichen Auslösern für das Suchtverhalten und Entwicklung eines Notfallplans mit Maßnahmen, die den Suchtdruck stoppen können
- Rückfallprophylaxe und Aufbau von sozialen Kompetenzen, um anders mit Problem- und Konfliktsituationen umzugehen
- Berücksichtigung von Ressourcen und Stärken eines Patienten
- Förderung von Genussfähigkeit und Achtsamkeit für eigene Bedürfnisse und Grenzen und Erlernen von Strategien zur Gefühlsregulation
Psychosen
Hierunter versteht man Erkrankungen, in deren Verlauf es zu Störungen des Denkens, zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen sowie Störungen des Antriebs und der Konzentration kommen kann. Die Symptome müssen weder vollständig noch durchgängig vorhanden sein. Nach einer akuten Episode ist die tagesklinische Behandlung ein geeigneter Schritt zur Stabilisierung und zur Reintegration in den Alltag.
Therapieangebote:
- Psychoedukation über Ursachen, Verlauf und Bewältigungsmöglichkeiten
- Erlernen von Stabilisierungstechniken, u.a. durch Einsatz von Entspannung
- Förderung und Aufbau von Ressourcen
- Entwicklung einer Tagesstruktur und Sensibilisierung für den Umgang mit Stress- und Belastungssituationen
